TEXTE

Dr. Georg Wilbertz, Kunsthistoriker

KONTRASTE ALS HARMONIEN DES UNBEWUSSTEN

Bemerkungen zu Birgit Schweigers Zyklus THE GRASS IS GREENER

Unser heutiger Harmoniebegriff suggeriert zumeist ein liebliches, vielleicht weichgespültes Miteinander von Dingen, die sich zu einem beruhigenden Ganzen ohne Widersprüche fügen. Die Sehnsucht nach entspannter, friedvoller Harmonie ist in aufgewühlten Zeiten wie den unsrigen mehr als nachvollziehbar.

Ursprünglich bedeutet der Begriff der Harmonia allerdings die Verbindung von deutlich erkennbaren Gegensätzen zu einer nachvollziehbaren Ordnung des Ganzen. Die Charakteristika der ursprünglichen Gegensätze verschwinden nicht, sondern bleiben in der gewonnenen Synthese existent, spürbar und vor allem – oft nur unbewusst – wirksam.

GESCHLOSSEN – OFFEN: EIN ÄSTHETISCHER URKONTRAST 

In ihrem Zyklus THE GRASS IS GREENER arbeitet Birgit Schweiger mit maximalen formalen Kontrasten von Malerei und Zeichnung, die im jeweiligen Bild zu einer bildnerischen Erzählung vereint werden, ohne ihre ästhetisch-inhaltliche Eigenständigkeit zu verlieren. Auf den ersten Blick dominieren weich verlaufend in Öl aufgetragene Flächen die Bilder. Die verwendete Farbpalette reicht von hellgelben Partien über das im Vordergrund stehende Grün bis hin zu dunklen Blautönen. Der ineinandergreifende, organische Farbfluss vermeidet jede grafische Begrenzung oder Kontur. Selbst die Ränder der Leinwände bilden keine wirkliche Grenze. Das Farbkontinuum könnte sich über diese hinaus in den umgebenden Raum fortsetzen. 

Wie aufgerissen oder freigelegt öffnet sich die homogene, starke Farbfläche in unregelmäßigen, amorphen bis auf den reinweißen Malgrund der Leinwand geführten „Durchblicke“ bzw. Einblicke. Diese bilden eine – meist – klar umrissene Fläche, die als geradezu „klassisch“ wirkender Motivgrund für filigrane, feine Zeichnungen dient. Um diese lesen zu können, muss man nah an die Bilder herantreten. Die formalen und atmosphärischen Kontraste könnten kaum größer sein. Hier die undurchdringliche Dichte der geschlossenen Farbflächen, dort die „frei“ in das neutrale Weiß gesetzten, haltsuchenden Motive zeichnerischer Erzählung. Beides findet kaum einen wirklichen Bezug zueinander, außer wenn bei einzelnen Bildern weiße Fäden der Zeichnung auf die malerischen Flächen „übergreifen“ und eine zarte, fast schüchterne Verbindung suchen. Hierbei geht es allerdings weniger um ein bildliches „Stabilisieren“ als um ein zeichnerisch suchendes Vortasten. Die Kontraste bleiben auch in diesen Fällen bestehen und lesbar, aber eine perspektivische Bezugnahme der malerischen und zeichnerischen Bildebene wird zumindest angedeutet. Eine nachvollziehbare bzw. organische Verbindung zwischen Malereiebene und Zeichnung wird allerdings vermieden. 

FRAGMENT UND VERDECKUNG: ÄSTHETISCHER AUSDRUCK DES UNBEWUSSTEN

Birgit Schweiger spielt ein anspruchsvolles, ästhetisch wohlkalkuliertes Spiel mit dem nie ganz Gezeigten, mit dem Fragmentarischen. Die weißen Bildausschnitte wirken wie Öffnungen („Fenster“) in eine andere, eigenständige Welt und Zeit. Sie scheinen sich unter der deckenden Ölmalerei fortzusetzen und ein eigenes, verborgenes „Leben“ zu führen. Als Betrachtende fragen wir uns unwillkürlich, was verbirgt sich unter der geschlossenen Malfläche? Was wird dort bildlich erzählt?

Ausgangspunkt der Zeichnungen sind oft Familienszenen oder persönliche biographische Momente und Ereignisse. Sie repräsentieren die autobiographische Vergangenheit, die durch den künstlerischen Prozess in eine neue, „mildere“ Gegenwart überführt wird. Anders als bei Sigmund Freuds Konzept des Unbewussten geht es allerdings nicht um psychologische Bewältigungsstrategien. Es geht vor allem um die Erzählung einer eigenen, präsenten und wirksamen Gegenwart, die ihr Fundament im Vergangenen hat. Ein weiterer Moment des unmittelbaren Jetztbezugs entsteht durch das freie, assoziative Weiterzeichnen und spontane motivische Ergänzen vorher definierter Bildthemen (Ereignisse, Erinnerungen etc.). Hierbei geht Birgit Schweiger nur bedingt planvoll oder bewusst vor. Statt einer thematischen oder ikonographischen bildlichen Erzählung zu folgen, „fließen“ die Linien frei von der zeichnenden Hand auf die Bildfläche. Durch dieses nahezu intentionslose Zeichnen werden Inhalte und Strukturen des Unbewussten manifest. Sie verbinden sich, einem psychoanalytischen Verfahren vergleichbar, mit den konkreten Bildthemen der eigenen Biographie und Vergangenheit. Es entstehen zeichnerische Bildwelten, die dem Fantastischen, dem Gewünschten oder Erträumten Raum und Gestalt geben. 

In diesem Zusammenhang macht das „Abdecken“ und Überformen der Geschichten (Stichwort „Storyboard“) einen tieferen Sinn: Ereignisse, Erinnerungen und das Erlebte können immer nur ausschnitthaft dargestellt (und verstanden) werden. Gleiches gilt für die Ebene des Unbewussten, dass nur fragmentarisch greifbar und wirksam ist. Erlebtes und Unbewusstes bleiben im Wortsinn ausschnitthaft, vieles bleibt ver- und überdeckt (Geheim? Verdrängt?). Anfang und Ende unseres Erlebens bleiben – fast ausnahmslos – im Ungewissen. In Birgit Schweigers THE GRASS IS GREENER gehen Realität, Fantasie und Traum eine Symbiose ein, die die Wirklichkeit des Dargestellten einerseits zum Fragment werden lässt, andererseits um die Sphäre des Unbewussten erweitert. Damit hat Birgit Schweiger einen eigenständigen, ästhetisch und künstlerisch konsequent formulierten Bildmodus entwickelt, der die Unwägbarkeit und das Infinite menschlicher Existenz (und Erzählens) zum Ausdruck bringt. Die damit verbundenen inhaltlichen Konnotationen sind offen, werten nicht und bieten den Betrachtenden vielfältige motivische und inhaltliche Anknüpfungspunkte. „Wahrheiten“ geben sie nicht preis. 

Dr.in Brigitte Reutner-Doneus, Leitung Sammlung Grafik und Fotografie, Lentos Kunstmuseum Linz, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung LINIEN, Galerie Seidler, März 2024:

„Birgit Schweiger setzt Zeichnung und Malerei gleichermaßen ein und kombiniert sie zu schwungvollen, energiegeladenen Kompositionen. Durch die Integration von gezeichneten Elementen in Gemälde wird der inhaltliche Gehalt stellenweise auf eine leichtere, hypothetischere Ebene übersetzt. Mit ihrer typischen gelben Farbe taucht sie ihre Kompositionen in auffallende Warm-Kalt- und Hell-Dunkel-Kontraste. Ihre Zeichnungen beeindrucken durch die kunstvolle Linearität, die wie Fäden eines Spinnennetzes wirken und eine Referenz zu Carl Anton Reichel bilden.

Die Künstlerin studierte bei Dietmar Brehm und Xenia Hausner, an der Kunstakademie Bad Reichenhall in der Klasse von Anton Petz, bei Eva Möseneder in Neumarkt an der Raab und widmete sich kunstwissenschaftlichen und philosophischen Studien an der KU Linz.

In manchen Werken kombiniert die Künstlerin Linien, Texte sowie dreidimensionale Elemente wie Schnüre. Die Arbeit „Kein Entkommen – Widerstand ist zwecklos“ mit biegsamen und formbaren Strukturen erinnert mich an textile Praktiken, die ich vor kurzem in Werken der in Salzburg lebenden Künstlerin Monika Fioreschy gesehen habe. Reale Fäden dehnen die Kompositionen in das Dreidimensionale aus. Sie sprengen damit die üblichen Bildgrenzen. Taktil, haptisch erfahrbar treten sie in die Betrachter-Ebene ein. Kunst und Leben werden miteinander in Beziehung gebracht. Aus meiner Sicht thematisiert das auch der Titel auf sehr stimmige Weise.

In der Werkserie Ästhetik des Plastiks, bestehend aus Marker-Zeichnungen auf Leinwand und einem Film, reduziert sich Schweiger auf Weiß und Schwarz. Tänzerische Bewegungen oder Bewegungsabläufe liegen dem Film sowie den Gemälden zugrunde. Das Wort Plastik kommt aus dem griechischen „plastikos“ – zur Formung geeignet. Auch für den industriell gefertigten Werkstoff gilt dieselbe Etymologie. 

Besonders im 18. Jahrhundert wurden die Begriffe des Schönen und Erhabenen intensiv diskutiert. Schönheit wurde als Qualität eines Objekts gesehen, das von Einheit der Vielfalt, Proportion und Harmonie geprägt ist. Die im Linzer Bauernbergtempel 1941 aufgestellte Aphrodite entsprach gewiss diesen hohen Idealen sowie dem Anspruch auf Erhabenheit. Erhabenheit wurde als Ausdruck großer und edler Leidenschaften betrachtet, wie man sie in homerischen Epen oder klassischen Tragödien findet. Erhabene Werke sollten ein stark-begeistertes Pathos, die besondere Bildung der Figuren, die edle Ausdrucksweise und die würdevoll-hohe Satzfügung widerspiegeln. Die Faktoren sollten eine gefühlsmäßige Anteilnahme im Betrachter / in der Betrachterin auslösen.

Eine gefühlsmäßige Anteilnahme mag die Statue der Göttin der Schönheit wohl auch in Adolf Hitler ausgelöst haben, der den deutschen Künstler Wilhelm Wandschneider 1941 veranlasste, seine 1907 gefertigte Aphrodite ein zweites Mal gießen zu lassen. Die solchermaßen hergestellte Replik vermachte der Führer seiner Heimatstadt Linz.

In ihrem Video tanzt Schweiger im leergeräumten Aphrodite-Tempel am Bauernberg in Männerunterwäsche mit Plastikfolien in ihren Händen. Sie bezieht sich damit auf die Tänzerin Mary Wigman, die wie viele ihrer Zeitgenossinnen unter der Machtergreifung der Nationalsozialisten zu leiden hatte. Schweiger hinterfragt in dieser Serie die Gültigkeit der Begriffe des Schönen und Erhabenen, wenn sie von menschenverachtenden und unmoralischen Regimen vereinnahmt werden. Der Tanz widersetzt sich stereotypen Rollenzuschreibungen des Weiblichen und Männlichen. Die Künstlerin drückt ihre Botschaft jenseits gebräuchlicher Dichotomien in einem performativen Akt aus und schlägt damit für die leergeräumte Denkmalhülle eine neue Bestimmung vor.“


Malerischer Zaubergarten.

Ein alter Teppich mit bequemen Kissen darauf lädt mich zum Verweilen ein. 

Gemütlich lasse ich mich nieder. Strecke meine Beine aus, verschränke die Arme im Nacken, schau in den Himmel und höre im Hintergrund das vertraute Gemurmel von Menschen, die, hier ein Grüppchen, da ein Grüppchen, beinander stehen oder sitzen, sich unterhalten, lachen.

Birgit Schweiger hat ihr Maleratelier geöffnet und uns in ihr bezauberndes Paradies eingelassen. Kunst im Garten hängt von den Bäumen, steht auf Säulen, wird von der Sonne beschienen. Wie wunderbar, dass sie auch gekommen ist. Die Sonne. 

Ich stell mir vor wie es wohl wäre hier tatsächlich zu malen. Oder zu schreiben, das würde eher meinem Talent entsprechen. Sich von der Muse küssen zu lassen. Dem Alltag entfliehen. Die Birgit Schweiger ist schon längst dem Talentstatus entwachsen. Sie ist eine etablierte Künstlerin geworden. Ich freu mich so sehr für sie. 

Inmitten von wilden Blumen, zarten Rosen und ausladenden Lavendelbüschen, hohen Bäumen und niederen Hecken, träume ich, hier am Zauberteppich sitzend, dass ein Frosch aus dem Teich an mir vorbeihüpft – ich täte ihn vermutlich küssen, so sehr überkommt mich hier an diesem Ort die Sehnsucht nach ein wenig Magie. 

Es kommt kein Frosch, aber eine freundliche Gartenelfe, die mir ein Glas Wein reicht und mich mitnimmt, ins Atelier, wo an den Wänden Gemälde und in der Luft der Geruch nach Farbe hängt.

Die Bilder hängen nicht nur an den Wänden, sie stehen auch in Regalen. In allen Größen, finden sich hier die unterschiedlichsten Zyklen ihres künstlerischen Werdegangs wieder. Die zahllosen Farbdosen, Tuben, Pinsel, die Werkbank, zusammengeknüllte Stoff- und Papiertücher geben neben dem beklecksten Fussboden Zeugnis davon, dass hier in diesem hellen Raum, aus dessen Fenstern man den Garten überblickt, gearbeitet, studiert, Farben gemischt und gemalt wird. 

Dazwischen Bücher über Philosophen, Ausstellungskataloge, ein gemütliches Sofa, allerlei Krimskrams – ein Ort zum Wohlfühlen ist das hier. Ein guter Platz zum Arbeiten.

Ich kann meine Augen nicht abwenden von den Kunstwerken die hier geschaffen wurden. Ich blättere die Skizzen durch,  und freue mich, dass es mittlerweile Bilder auch in Kleinstformaten gibt. Jedes Bild ist ein Unikat und so sehr sich die Birgit in all diesen Jahren entwickelt hat, ihr Stil bleibt prägnant und klar identifizierbar erhalten. Eine „Schweiger“ erkennt man immer.

Mein Weinglas ist mittlerweile leergetrunken, ist stelle es vorsichtig am Fenstersims ab und betrachte die Gäste im Garten. Alle amüsieren sich gut. Sitzen in Gruppen, mein Zauberteppich mittlerweile von einem Pärchen belegt. Sie küssen sich. Schön. Der Hund tollt dazwischen herum. Auch ein kleiner Star für sich, denke ich mir.

Dazwischen schwebt die Künstlerin in einem sommerlichen Kleid, von einem Gast zum Nächsten. 

Wie kann ein so bodenständiger Mensch nur schweben, denke ich mir? 

Aber das liegt vermutlich am Zauber dieses Tages. 

Eine Weile werd ich noch in dieser einmaligen Welt aus Kunst bleiben, die den Alltag aus meinem Kopf löst und mich eintauchen lässt in Gespräche mit Menschen die ich kaum kenne. Eine Umgebung die mich inspiriert, mir aufzeigt, was gelingen kann. Es braucht viel Mut dazu. Diesen hatte sie, die Birgit Schweiger, dazu viel Talent, welches in den Jahren reifte zu sehr viel Können.

Brigitte Raffeiner, Plaudertasche


Wiltrud Hackl, Geschäftsführerin OÖ Kulturpolitik, Eröffnungstext „Gedankenwege“, Galerie DIE FORUM Wels, 2020 :

„… am Beispiel der Installation Birgit Schweigers im ersten Raum. Die Linie ist hier eine, die ihrer Funktion enthoben wurde und zwischen den Punkten stattfindet, in dem sie als Linie zum Gedanken wird. Die Schnüre laufen zusammen, teilen sich, laufen parallel, verbinden Welten, ergänzen sich, überlappen sich, widersprechen sich und reißen mitunter. Da die Fäden aus Papier sind, halten sie andere Spannungen aus als andere Schnüre. Das Kunstwerk, das Birgit Schweiger immer abhängig von der jeweiligen Raumsituation errichtet, zerstört sich so mitunter noch während des Ausstellungsaufbaus oder aber möglicherweise durch die Berührung mit Besucherinnen oder aber auch gar nicht, je nachdem mit welcher Haltung diesen Gedanken-Fäden der Künstlerin gegenüber die Besucher sich dem Kunstwerk nähern. Fäden können wie Gedanken reißen, abrupt, geben der Spannung nach oder aber leiten sie weiter, öffnen einen Gedankenraum, in den sich Gedanken anderer Menschen gleichsam ein“spinnen“ können. „….“

„… Zum Schluss möchte ich zum räumlichen Anfang dieser Ausstellung kommen – und zu den digitalen Zeichnungen von Birgit Schweiger. Sie entstehen auf einem IPad, erinnern an Scribbles, an schnelle Skizzen oder Zeichnungen, bei näherer Betrachtung erst wird deutlich, was die Künstlerin hier mit diesen Linien entstehen lässt – Ränder, Übergänge, in denen sich Objekte, die an Figuren, Personen erinnern mögen, oft aber auch unbekannte Wesen, organische Gebilde, sich verbinden; ihre Ränder, ihre Linien gehen ineinander über.

Die Auseinandersetzung mit dem Verbindenden, das der Linie also oberflächlich und rasch zugeschrieben und auch abverlangt wird, kann so zu einer Überwindung des Verbindenden werden, zur Überwindung dessen, was uns etwa aus anthropozentrischer Sicht angeblich eint – (wir sind alle Menschen, aber: sind wir alle Menschen?) – Auch damit beschäftigen sich die Arbeiten in dieser Ausstellung, wenn wir etwa auf die Bilder Birgit Schweigers an der Wand hinter uns blicken.“ 


Nora Bruckmüller, Redakteurin OÖN, 8. Oktober 2021:

„…So weiß die Lichtenberger Künstlerin Birgit Schweiger („DIE FORUM Wels“) zu berichten, wie sie von der Zeichnung für Ihr Objekt „Menschennest“ ins Dreidimensionale wechselte – ein Sinnbild für das Straucheln wie für die Verbundenheit“…


Elke Sackel, Künstlerin, 2020:

…“Das Flimmern der locker aneinander gesetzten Farbflächen entspricht dem Glitzern und Glänzen der Wassertropfen auf den regennassen Bäumen, unter denen ich hindurchgefahren bin. Hier im Bild scheint aber die Sonne, ein Stück blauer Himmel leuchtet auf und öffnet den Bildraum. Im Mittelgrund plätschert ein Bach, das Wasser spiegelt das Himmelsblau, mein Blick folgt dem Flusslauf, findet eine sitzende Frau, die sich nur wenig von den Grüntönen der Umgebung abhebt und bleibt plötzlich irritiert hängen. Eine Verschiebung, eine Ungewissheit taucht auf. Eine exakte Gerade wächst aus der rechten Uferböschung, eine Kante, die nichts mit den organisch wirkenden  Linien und Farbflächen  im Bild zu tun hat. Mit etwas Abstand erkenne ich eine Glasscheibe, die hier die Idylle stört. Die Sitzende scheint hinter dem Glas zu sein. Oder ist es ein Spiegel?


Silvia Müllegger, Kunsthistorikerin, 2020:

„…Birgit Schweiger experimentiert mit Ebenen, die ineinanderfinden; einzelne Striche führen ein Eigenleben, fließen weiter und werden von der Künstlerin intuitiv, bisweilen über die Leinwand in raumgreifende Vernetzungen geführt – eine nahezu dreidimensionale Expansion von Grafik in die Weite. Dieses Infragestellen von Normen, das Ausloten von Grenzen und die Entdeckung von Sphären sind bezeichnend für ihre künstlerische Haltung…“


Silvia Müllegger, Kunsthistorikerin, Auszug Katalogtext 2015:

„…Das Oeuvre der Künstlerin Birgit Schweiger charakterisiert sie als aufmerksame, sensible Beobachterin ihres unmittelbaren Umfelds, als eine, die wie ein Seismograph einzelne Szenen und Augenblicke aufnimmt und als Stimmungsbilder ihrer Zeit dokumentiert. Im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung steht meist der Mensch als Teil des Kollektivs mit seinen Riten und Verhaltensweisen.“