SF…so far

Dynamisch angelegte Farbflächen mit poppigen Farben und vielschichtigen Perspektiven kennzeichnen die Werke von Birgit Schweiger. In ihren Bildern verschmelzen die Menschen mit der Landschaft und umgekehrt. Obwohl in Farbe verbunden, führen einzelne Striche ein Eigenleben, fließen dann doch wieder ineinander und werden von der Künstlerin intuitiv auf der Leinwand weitergeführt. Einige Linien werden zu lebhaften Gebilden, die sich auch mal aus dem Bild hinaus bewegen. Alles fließt und bleibt doch stehen. Die Künstlerin ist eine malerische Chronistin unserer Zeit, die sich nicht nur mit verschiedenen Medien auseinandersetzt sondern auch mit aktuellen Fragestellungen. Galt ihr Augenmerk in ihren früheren Arbeiten der Thematisierung unserer Freizeitkultur, steht im neuen Werkzyklus SF…so far die Frage der Verantwortung des Menschen gegenüber seiner Umwelt im Mittelpunkt.  

Inspiriert von dem Buch Staying with the trouble – Unruhig bleiben, widmet sich die Künstlerin eingehend mit den Denkansätzen der amerikanischen Wissenschafts- und Geschlechterforscherin Donna Harraway. Die feministische Theoretikerin ruft das Zeitalter des Chthuluzän aus, das eben nicht – wie im Anthropozän – den Menschen ins Zentrum des Denkens und der Geschichte stellt, sondern das Leben anderer Arten und Kreaturen. Sie offeriert nicht nur neue Betrachtungen sondern verweist auf die Strategien der Zukunft: zusammenarbeiten, zuhören, gemeinsam Überleben. Schlagworte, die die Künstlerin Birgit Schweiger in ihren neuen Bildern aufgreift und experimentell weiterführt. Ob nun figurativ und abstrakt, die Energie zwischen Mensch, Tier und Maschine, deren Emotionen, Spannungen und Entwicklungsmöglichkeiten finden im Werkzyklus SF…so far ihre künstlersiche Umsetzung. SF kann hier für Vieles stehen, für Science-Fiction, spekulative Fabulation, Spiele mit Fadenfiguren (string figures) oder spekulativen Feminismus – so far, so good. 

Ob als schwarzweißes Liniennetz oder als skizzenhaft-anmutende Figuration: Alles ist miteinander verbunden. Jede Aktion hat eine Auswirkung. Man ist überrascht über Zusammenhänge und schmunzelt über Witz als auch Kritik der Künstlerin gleichermaßen. Es gilt, diese Kunst freudig zu entdecken, ihr zu folgen und im Verweilen den aktuellen Diskursen nachzuspüren.

Text: Mag. Silvia Müllegger, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Wien http://www.emissary.eu